Irans Gesundheitsminister warnt wegen Corona vor „Leichen auf den Straßen“

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Gräber wegeen Covid in Teheran

Foto: EPA/ABEDIN TAHERKENAREH, In Teheran wurden bereits Gräber für die zu erwartenden Toten ausgehoben.

Während die Corona-Pandemie im Iran täglich mehr Opfer fordert und nach offiziellen Angaben bis jetzt mehr als 32.000 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben sind, ist eine einheitliche Strategie im Kampf gegen die Pandemie weiterhin nicht sichtbar.

28 der 31 Provinzen des Iran haben mittlerweile die höchste Warnstufe erreicht. Inoffiziell spricht man von mehr als 42.000 Toten. Gesundheitsminister Said Namaki sagte in einem Interview, falls sofort nicht grundsächlich neue Schritte unternommen würden, müsse man die „Leichen auf der Straßen einsammeln“. Seine Warnung wurde in der Folge von der Regierung als sehr pessimistisch kritisiert.

Zwar mangelt es im Iran nicht an Ärzten und Pflegepersonal, das Gesundheitssystem leidet aber seit Beginn der Pandemie unter dem enormen Zulauf der Patienten. Der Mangel an Medikamenten – offiziell wegen der amerikanischen Sanktionen, inoffiziell auch wegen ins Ausland geschmuggelter Arzneimittel – hat vor allem bei Diabetikern zu Engpässen geführt. Lastwagen voller Medikamente aus dem Iran wurden an der Grenze von irakischen Zollbeamten entdeckt. Offiziell hieß es im Iran, es handle sich um Transitwaren.

Aufruhr im Parlament

Auch in der Innenpolitik scheint vieles außer Kontrolle geraten zu sein. So verliert die Währung Rial fast jeden Tag an Wert. Mehrere Abgeordnete haben vorgeschlagen, Präsident Hassan Rohani abzusetzen und zu versuchen, im Parlament dafür genug Unterschriften zu sammeln. Diese Idee wurde sogar von der konservativen Zeitung „Keyhan“ kritisiert – sie warf den Abgeordneten vor, dem Westen nach dem Mund zu reden.

Wenn man berücksichtigt, dass „Keyhan“ grundsächlich als Sprachrohr des religiösen Führers Ayatollah Ali Khamenei agiert, kann man annehmen, dass dieses Vorhaben ad acta gelegt werden wird.

Der religiöse Führer meldet sich sehr selten zu Wort – und wenn schon, nur per Videokonferenz. Vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November dürfte sich zudem auch nicht allzu viel ändern, was Irans Außenpolitik betrifft.

Amir Loghmany aus Teheran

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