von Tzvi Khan
Ali Larijani, Sprecher des iranischen Parlaments, hat die Vereinigten Staaten als „Bedrohung für die ganze Welt“ bezeichnet. Seine Tochter Fatemeh Ardeshir-Larijani jedoch befindet sich in Ohio in sicherer Umgebung. Dort hat sie vor kurzem ihr erstes Semester zur Fachärztin für innere Medizin absolviert. Ganz unauffällig studiert sie an den Universitätskliniken von Cleveland, die laut U.S. News & World Report zu den besten der Nation gezählt werden.
Dr. Ardeshir-Larijani ist nur eines von mehreren Kindern iranischer Staats- und Regierungschefs, die Amerikas Universitäten besuchen, um sich danach auf dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt nach beruflichen Möglichkeiten umzusehen und dies, obwohl ihre Eltern einem Regime angehören, das fortwährend die Zerstörung Amerikas fordert.
Unterdessen schwankt die iranische Wirtschaft, Menschenrechtsverletzungen sind nach wie vor weit verbreitet, Wasserknappheit bedroht Millionen von Menschenleben und die herrschenden Mullahs bereichern sich auf Kosten des iranischen Volkes. Gleichzeitig können amerikanische Studenten, wenn sie den Iran besuchen, als Geiseln genommen werden, wie z.B. Xiyue Wang von der Princeton University, der im vergangenen Jahr fälschlicherweise wegen Spionage eine 10-jährige Haftstrafe erhielt.
Die Familie Larijani spielt in der iranischen Politik eine bedeutende Rolle. Bevor Herr Ali Larijani 2008 die Funktion als Sprecher des Parlaments übernahm, war er Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates des Iran und Chefunterhändler für Nuklearfragen. Einer seiner Brüder Sadegh Amoli Larijani ist der Leiter der iranischen Justiz. Er wurde von der Trump-Regierung im Januar wegen schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen bestraft. Sein anderer Bruder Mohammad Javad ist der Sekretär des zynischen Weise so genannten „Hohen Menschenrechtsrates der iranischen Justiz“. Er will aus dieser Position heraus die westliche Kritik an der Menschenrechtsbilanz des Iran diskreditieren. Diese drei sind allesamt Vertraute des höchsten iranischen Führers, Ayatollah Ali Khamenei, der Amerika wiederholt als „großen Satan“ bezeichnet und immer wieder vor dem verderbenden Einfluss der westlichen Kultur warnt.
Doch selbst wenn sie die Vereinigten Staaten verteufeln, versäumen iranische Beamte es oft zu erwähnen, dass sie es ihren eigenen Kindern ermöglichen, in den USA zu leben und die dortige Freiheit zu genießen. Diese Tatsache zeigt noch einmal genauer das korrupte Gesicht dieses Regimes. Wie US – Außenminister Mike Pompeo in einer Ansprache an die Iraner im Juli betonte, „ist Sadegh Amoli Larijani mindestens 300 Millionen US-Dollar wert. Er hat dieses Geld durch die Veruntreuung öffentlicher Gelder auf sein eigenes Bankkonto fließen lassen.“ Khamenei seinerseits hat den Vorsitz über ein Wirtschaftsimperium im Wert von etwa 200 Milliarden US-Dollar.
Isa Hashemi ist Doktorandin an der Chicago School of Professional Psychology in Los Angeles. Seine Mutter ist Masoumeh Ebtekar. Sie ist heute Vizepräsidentin des Iran für Frauen- und Familienangelegenheiten. Im Jahre 1979 erlangte sie als Studentensprecherin durch die Besetzung der US–Botschaft in Teheran erstmals internationale Bekanntheit. Sie war dabei auch an der
Geiselnahme dutzender Botschaftsangehöriger über 444 Tage maßgeblich beteiligt. Auf die Frage einer Reporterin während der Krise, ob sie „eine Waffe persönlich an den Kopf einer dieser Personen anlegen und sie töten könnte“, antwortete Frau Ebtekar ohne zu zögern: „Natürlich“ und, „Unterdrückung und Tyrannei müssen zerstört werden.“
Ehsan Nobakht Haghighi ist Assistenzprofessor für Medizin an der George Washington University, während Niloofar, seine Schwester, klinische Assistenzprofessorin für Nephrologie an der UCLA ist. Ihr Vater Ali ist Mitglied des iranischen Parlaments, während ihr Onkel Mohammad Bagher Vizepräsident des Iran und Leiter der Planungs- und Haushaltsorganisation ist. Entsprechend seinem LinkedIn-Profil ist Ali Fereydoun „Lead Performance Engineer“ bei McGraw-Hill Education in New York. Sein Vater Hossein ist der Bruder von Präsident Rouhani und dessen rechte Hand.
Es gibt sicherlich noch viele andere solcher Beispiele. Die Gesamtanzahl ist unbekannt. Darüber hinaus haben einige prominente iranische Beamte selbst in den USA studiert und dadurch Fähigkeiten erworben und Erfahrungen gesammelt, die ihrem Dienst am iranischen Regime sehr zu Gute kommen. Außenminister Mohammad Javad Zarif zum Beispiel hat an der San Francisco State University und der University of Denver einen Bachelor- und Masterabschluss erworben. Dieses dort erworbene Wissen hat ihn in die Lage versetzt, den Extremismus Teherans hinter einer Sprache der Toleranz und des Humanismus zu verbergen. Auch sein Sohn Mahdi besuchte die City University of New York. Er kehrte 2013 in den Iran zurück.
Ebenso erhielt Ali Akbar Salehi, der Chef der iranischen Atomenergiebehörde und Vorgänger von Herrn Zarif als Außenminister, seinen Doktortitel in Nukleartechnik vom Massachusetts Institute of Technology, allerdings noch bevor die Islamische Republik 1979 die Macht übernahm. Seyed Hossein Mousavian, ein ehemaliger Atomverhandler, der eine Vielzahl anderer Positionen im Außenministerium innehatte, erwarb seinen Bachelor-Abschluss in Ingenieurwesen an der Sacramento State University. Heute ist er Stipendiat an der Princeton University.
Diese Geschichte unterstreicht eine grundlegende Wahrheit über die aktuellen iranischen Herrscher. Trotz all ihrer Verleumdungen Amerikas und des Westens erkennen sie implizit an, dass Amerika genau die Freiheiten, den Wohlstand und die Chancen bietet, die ihr eigenes Land und dessen Menschen so sehr vermissen. Das iranische Volk begreift diesen Widerspruch und protestiert auch deshalb weiterhin auf den Straßen des Landes.
Auf jeden Fall sollte die Trump-Administration mit dieser Situation vorsichtig umgehen. Zumindest sollte das US-Außenministerium eine aktuelle Liste der Kinder von Angehörigen des Islamischen Regimes führen, die in den Vereinigten Staaten studieren und arbeiten. Ihre Anwesenheit in den USA ist ein Privileg und kein Recht. Washington sollte die Sünden der Eltern auf keinen Fall den Kindern anlasten. Eines Tages, wenn sie es noch nicht getan haben, können die Kinder iranischer Führer in den Iran kommen, um zu sehen, was so viele Demonstranten im Iran im vergangenen Jahr wiederholt gesungen haben: „Amerika ist nicht der Feind – der Feind ist genau hier.“
• Tzvi Kahn ist ein führender iranischer Analyst bei der Foundation for Defense of Democracies.
Die geäußerte Meinung spiegelt nicht unbedingt die Meinung von ITC wider.
Übersetzung: Susanne & David Morgenroth/Susann & Madjid Toussi